Horrorfilm im Doku-Stil – aber viel besser als auf RTL2. Ein Beitrag zum Fantasy Filmfest 2010.
Ein Prediger glaubt nicht mehr an Gott und vorgetäuschten Exorzismus. Jetzt will er noch ein letztes Mal ran, um den Schwindel zu entlarven. Das hat Folgen.
Die Geschichte
Cotton Marcus ist Prediger und Pfarrer aus Baton Rouge. Ein gottesfürchtiger Mann, der bereits zahlreiche Besessene vom Teufel befreit hat. So könnte man meinen.
Doch er glaubt nicht mehr an Gott. Die Exorzismen hatte er nur vorgetäuscht und mit technischem Schnickschnack verfeinert. Jetzt will er dem Betrug ein Ende setzen. Er heuert ein Kamerateam an, das den ganzen Schwindel filmen soll. Der Hilferuf von einem Landei mitten in Louisiana kommt ihm dafür gerade recht. Die Kamera umgeschnallt, und los geht’s.

- Nell (Ashley Bell) hat's im Kreuz

Vor Ort erklärt ihm der Farmer Louis Sweetzer, dass seine Tochter Nell vom Teufel besessen sei. Sie schlitze nachts die Tiere auf, meint er.
Marcus kümmert sich auf seine Art darum. Er täuscht nach bewährtem Rezept einen Exorzismus vor. Nur geht das leider schief. Nell geistert noch immer nachts durch die Flure, verrenkt ihren Kopf sehr ungesund und kann sich morgens an nichts erinnern. Dann stellt Marcus fest, dass Nell schwanger ist. Vom Teufel persönlich, behauptet ihr Vater.
So richtig unheimlich wird es, als Nell ein Bild zeichnet. Dort sehen Marcus und sein Reporterteam ihren eigenen Tod.
Filmkritik „Der letzte Exorzismus“
„The Blair Witch Project“ und „Stromberg“ lassen grüßen. Der von Horror-Spezi Eli Roth („Hostel“) mitproduzierte Grusler kommt als Dokumentation daher. Per Handkamera gefilmte grobkörnige Bilder, unsicher in die Kamera blinzelnde Darsteller, Interviews, schlecht ausgeleuchtete Szenerien. Die Kamera zeigt, was die Protagonisten sehen. Das ist sehr hinterlistig, und genau das macht den Reiz dieser Grusel-Revue aus. Es ist Horror, ganz aus dem Leben gegriffen.

- Priester Marcus versucht scheinbar alles, um Nell vom Teufel zu befreien

Wer sich durch die arg geschwätzige erste halbe Stunde gequält hat, findet sich plötzlich in einem Alptraum wieder. Die eben noch so lebenslustige Nell (großartig: Ashley Bell) watschelt eine Szene später mit leerem Blick und wirrem Haar durchs Haus, sodass es uns friert. Ausgeweidete Pferde liegen herum. Und Nells Bruder Caleb (Caleb Landry Jones) bedroht Marcus mit einer Seelenruhe, die einfach nicht gestellt sein kann. Überhaupt spielt die gesamte Besetzung großartig auf. Hübscher Insider-Gag: Die meisten Filmfiguren tragen dieselben Vornamen wie ihre Darsteller.
Und doch ist alles gestellt. Denn am Ende ist „Der letzte Exorzismus“ doch recht offensichtlich nur ein Film. Das ist einer der wenigen Nachteile gegenüber dem „Blair Witch Project“: Die ganze Materie ist von der Wirklichkeit einen Schritt zu weit entfernt. So betrachtet es der Zuschauer trotz allen Doku-Stils immer noch als „nur einen Film“. Das war beim „Project“ anders.
Die Versionen

- Nell hat ihren Bruder Caleb übel zugerichtet - angeblich

Die FSK hat den Film eigentlich mit einer Freigabe ab 16 Jahren uncut durchgewunken. Das passt. Warum auf dem Cover ein Logo „ab 18 Jahren“ prangt, wissen wir nicht.
Das Urteil von Near-Dark.de
Bedrückende Horror-Doku. Clever und originell aber für echte Alpträume eine Spur zu weit weg.
Alle Film-Daten
- Originaltitel: The last Exorcism
- Altersfreigabe: ab 16 Jahren
- Laufzeit: 87 Minuten
- Produktionsjahr: 2010
- Produktionsland: USA
- Produzent: Eli Roth, Eric Newman, Marc Abraham, Thomas Bliss
- Drehbuch: Huck Botko, Andrew Gurland
- Regie: Daniel Stamm
- Darsteller: Patrick Fabian, Ashley Bell, Iris Bahr, Louis Herthum, Caleb Landry Jones
- DVD-Produktion: Kinowelt
Fotos: Kinowelt











